[In Anlehnung an: Christian Sauer (2017): Der Stellvertreter. Hanser Verlag]

Warum es wichtig ist Stellvertreter nicht zu übersehen, sondern über ihre möglichen Karrierewege zu reflektieren

 

Am 27. November 2019 startete unser Stellvertreter-Programm 2019/2020 mit dem ersten von sechs Modulen. Die Fragestellungen, mit welchen Henriette Hauerstein dem Tag einen grünen Faden verlieh, sollten die Teilnehmer zum Reflektieren und Nachdenken anregen.

  • Was sind Stellvertreter eigentlich für Menschen? Was mögen sie und was nicht? 
  • Wer eignet sich als Stellvertreter und wer eher nicht?
  • Der Handlungsrahmen des Stellvertreters und wo sieht sich jeder Einzelne. Nur Formsache oder wichtig für die Praxis? 
  • Wie bin ich Stellvertreter geworden – „über Nacht“ oder mit Bedacht?
  • Wie sieht die Erfolgsgeschichte von Stellvertretern aus?

Die bunt gemischte Teilnehmergruppe aus stellvertretenden Pflegedienstleitungen und stellvertretenden Wohnbereichsleitungen ließ sich fantastisch auf den Tag ein. So gelangen ein reger Austausch, Fachsimpelei und Einblicke in die Arbeitswelt der Anderen. Auch die Kombination aus Chef und Stellvertreter war vertreten. Sie ermöglichte die Stärkung der Kommunikation untereinander und das Verständnis für den jeweils anderen auszubauen.

Die möglichen 6 Karrierewege und Handlungsrahmen der Stellvertreter

Was denken Sie über Stellvertreter? Nur Formsache oder wichtig für die Praxis im Alltag? Fakt ist: Stellvertreter gibt es fast überall, doch oftmals ist garnicht so richtig klar, wie die Zuständigkeiten wirklich geregelt sind. Im Folgenden möchten wir Ihnen deswegen gerne die üblichen möglichen Karrierewege und Handlungsrahmen eines Stellvertreters vorstellen. 

 

Dieser Stellvertreter ist eigentlich gar keiner. Selbst wenn der Chef nicht da ist, darf dieser Stellvertreter keine Entscheidungen treffen. Niemand weiß so richtig, ob es einen Stellvertreter gibt. Und wenn es jemand weiß, dass es einen Stellvertreter gibt, dann fragen sich diese Menschen mitunter, was dieser eigentlich zu tun hat!

Von diesem Stellvertreter weiß das Team. Allerdings fragt dieser Stellvertreter sehr häufig beim Chef nach, wenn MA etwas von ihm wissen wollen. Einmal beschwert sich der Chef, dass der Stellvertreter nichts entscheidet und dann wieder, dass er zu viel entschieden hat. Darüber hinaus kann es passieren, dass der Chef die Entscheidungen des Stellvertreters rückgängig macht.  Mit diesem Stellvertreter ist nie ein verbindlicher Handlungs- und Entscheidungsrahmen vereinbart worden – und wenn ja, dann wird dieser in der Praxis nicht eingehalten.

Dieser Stellvertreter tritt nur in längerer Abwesenheit des Chefs in Erscheinung. So zum Beispiel wird er bei Krankheit oder Urlaub aktiv. Für diesen Fall weiß er genau, welchen Handlungsrahmen er hat, weil dieser im Vorfeld besprochen wurde und auch so von beiden eingehalten wird. Seine Entscheidungen werden in der Regel vom Chef und vom Team respektiert, solange sie nicht Grundsatzthemen berühren. Bei Anwesenheit des Chefs übernimmt dieser Stellvertreter seine ganz normale Mitarbeiterrolle.

Dieser Stellvertreter ist immer im Amt, wenn der Chef gerade abwesend ist. So zum Beispiel wird er aktiv, wenn der Chef außer Haus, auf Dienstreise oder in einer Beratung ist. Alle wissen, dass der Stellvertreter für alle anfallenden Fragen im operativen Geschäft zuständig ist. Vieles vom Tagesgeschäft entscheidet er selbst. Dicke Brocken legt er beiseite und bespricht diese zeitnah mit dem Chef. Dieser Stellvertreter nimmt seine Rolle dauernd ernst und das ist so vom Chef auch gewollt und wird von ihm akzeptiert. Er wird über alles Wichtige informiert und die MA sprechen ihn auch auf viele Leitungsthemen an. Offiziell übernimmt er allerdings Leitungsaufgaben nur in Abwesenheit des Chefs.

Hier haben wir es mit einem Leitungsteam zu tun, bei dem der Chef sich lediglich das letzte Wort vorbehält. Alle wichtigen Entscheidungen werden zusammen getroffen und nach außen hin im Konsens! MA können mit jedem Problem zu beiden kommen. Sie haben den Eindruck, dass zwischen Chef und Stellvertreter kein Blatt Papier passt. Dieser Stellvertreter ist eine starke Figur: stets informiert, bei wichtigen Terminen immer dabei, leitet er gemeinsam mit dem Chef den Wohnbereich oder die Pflegeeinrichtung bzw. den Pflegdienst. Die beiden sprechen sich häufig ab und versuchen an einem Strang zu ziehen. Konflikte tragen sie unter vier Augen aus! Der Stellvertreter hat darüber hinaus eigene Leitungsprojekte und Aufgaben, die er unabhängig vom Chef betreut.

Die graue Eminenz kann in zwei Ausprägungsgraden vorkommen. Einmal als Stellvertreter und einmal als ganz „normaler Mitarbeiter“ Die graue Eminenz ist stärker als die offiziellen Führungskräfte. Die MA glauben erst, was die graue Eminenz bestätigt hat, und handeln erst, wenn er genickt hat. Für Ihn spielt es keine Rolle, dass der Chef in „Entscheiderrunden“ sitzt oder Verträge unterschreibt. Die Weichen stellt er im Hintergrund. Wie es dazu gekommen ist? Meist ist das eine lange Geschichte, die mit Kompetenz und Inkompetenz aber auch ganz oft mit geschickter und intriganter Machtpolitik zu tun hat!

 

Wie sieht es bei Ihnen aus? Wo stehen Sie oder Ihr Stellvertreter? Fühlen Sie sich damit gut? Ist Ihr Handlungsrahmen angemessen? Wollen oder können Sie das leisten? Sie sind mit allem zufrieden? Super! Das freut uns sehr! Fragen Sie doch mal Ihren Stellvertreter oder Chef, ob er die gleiche Einschätzung hat wie Sie.

Oder Sie sehen Handlungsbedarf? Dann gehen Sie in die Kommunikation und überlegen sich gemeinsam mit Ihrem Chef oder Stellvertreter, was anders sein müsste, damit Erwartungen und Wirklichkeit besser übereinstimmen.

Für uns war das erste Modul ein voller Erfolg und wir freuen uns auf den nächsten Termin am 15.Januar 2020 mit dem Thema: „Aus welchem Holz sind Stellvertreter geschnitzt und was ist zu tun, damit die Mitarbeiter folgen?“